Grosses Interview mit Bernhard Heusler Teil 3

9. Januar 2015 | Von | Kategorie: Inside, Interviews, News, Top News

bernhard_heuslerUnd hier der dritte und letzte Teil unseres grossen Interviews mit Bernhard Heusler. Wir wären sehr interessiert an eurem Feedback.

Das Erfolgskonstrukt FC Basel

Sie sprechen zwar nicht allzu gerne über vergangene Erfolge. Trotzdem die Frage: Was war der bisher schönste Moment den Sie mit dem FC Basel feiern durften?

Es ist ebenso schwierig wie schön, die emotional positiven Momente miteinander zu vergleichen. Es ist doch grandios, dass uns diese Frage überhaupt gestellt wird. Das Hervorheben eines Moments ist fast nicht möglich. Das Unentschieden gegen Liverpool war für mich aber ein ganz besonderes Highlight, das ich in der Verantwortung beim FC Basel erleben durfte. Dann gibt es solche Momente wie die Finalissima in Bern, welche mir als unglaublich emotional in Erinnerung geblieben sind.

Oft ist es nicht das Spiel, der ‘Erfolg’ an sich, sondern das Gesamterlebnis, eine schwierige Vorgeschichte, die Stimmung im Club, im Team und mit den Fans, welche den Moment des Erfolges so besonders machen. Sicher ist, dass es diese Momente sind, die einem die Energie geben, diesen Job zu machen.

Als Präsident eines Fussballvereins, welcher seit Jahren erfolgreich ist, gibt es bestimmt auch Neider. Wie gehen Sie damit um?

Man versucht die Neider nicht zu sehr an sich heranzulassen. Man sagt ja, Neid ist die ehrlichste Form der Anerkennung. Ich denke, es gehört zu einem gewissen Grad einfach dazu. Wichtig ist, dass man im Erfolg nicht so abhebt, dass man jede Kritik als Neid missversteht. Und wichtig wäre auch, dass der Neid nicht so blind macht, dass vor lauter Konzentration auf die Neidobjekte, die Menschen nicht mehr gesehen werden.

Wie würden Sie das Erfolgsrezept des FC Basel beschreiben?

Der menschliche Zusammenhalt im Club, aber vor allem in unserer wichtigsten Gruppe, nämlich der Mannschaft, ist unglaublich wichtig. Neue und ehemalige Spieler bestätigen mir das immer wieder. Dann die Stabilität, die Glaubwürdigkeit und Verlässlichkeit in unserem Handeln der Führung sowie ein hoher Grad an Teamspirit. Dieser Spirit kann nur entstehen, wenn man im und um den Club eine Atmosphäre schafft, in welcher Integration und Kooperation mehr Gewicht habe als Ausgrenzung und Konkurrenz.

Durch die Erfolge, auch international, wechseln Saison für Saison Spieler in eine andere Liga. Dies ist durchaus ein Kompliment und zeichnet die gute Arbeit des Vereins aus. Ein Abgang eines Spielers ist aber auch immer ein Verlust. Wie kann man sich auf solche Wechsel vorbereiten?

Auf die einzelnen Wechsel kann man sich vorbereiten, indem wir versuchen zu spüren, wohin der Weg eines Spielers geht. Wir möchten für die Spieler ein glaubwürdiger Ansprechpartner sein. Der Fakt ist zu akzeptieren, dass solche Wechsel dazugehören und es eben eine Anerkennung ist, für die Arbeit welche im Club geleistet wird, aber auch an den Spieler, dass er diesen Schritt machen kann.

In der Rolle als Präsident eines Fussballclubs muss man sich bewusst sein, dass der “eigene” Club nicht der einzig tolle Verein ist. Das gilt auch in diesem Bereich. Ganz generell sollen die Spieler auch bei der Karriereplanung spüren, dass sie als Menschen wahrgenommen werden und nicht als Besitz des FC Basel.

Wer hat in der Vergangenheit die vielen ungeschliffenen Talente entdeckt?

Seit Jahren arbeiten wir, das sind Adrian Knup, Georg Heitz, Ruedi Zbinden, der Trainer und ich zusammen. Seit ich beim FC Basel bin, hat man immer in einem Gremium über die möglichen Neuzugänge diskutiert und jeder hatte dabei seine Rolle.

Ganz wichtig ist aber natürlich, dass jeweils ein Scout diese Spieler vor Ort beobachtet und dabei die richtigen Vorgaben erhält. Aus meiner Sicht funktioniert das Team. Das Entdecken eines Talents kann sich nicht in der Analyse von Videos erschöpfen. Neben der sportlichen steht auch eine menschliche Beurteilung, denn neben das sportliche Talent ist nur ein Teil der Persönlichkeit, des Menschen, den wir für den FCB gewinnen möchten.

Zudem muss bei der Auswahl auch die Besonderheiten des FCB und seiner Mannschaft berücksichtigt werden.  Nur wenn die Passung stimmt, dann kann’s auch funktionieren.

Was halten Sie vom Vorschlag des FC Aarau-Vizepräsidenten Roger Geissberger einen Teil der UEFA-Gelder auch auf die Liga, also auch an die Nicht-Teilnehmer der europäischen Wettbewerbe zu verteilen?

Roger Geissberger hat mir dies im Nachhinein erläutert, anscheinend wurde er nicht ganz korrekt zitiert. Auf den ersten Blick ist es vielleicht ein Vorschlag, der berechtigt und sinnvoll erscheint. Auf den zweiten Blick darf man angesichts des FCB-Beitrags an den Koeffizienten der Schweiz, welcher der halben Profi-Liga die Teilnahme an einem europäischem Wettbewerb ermöglicht, etwas polemisch fragen, ob es wirklich Sinn macht, bei einem Zug den Motor der Lokomotive zu schwächen und zu hoffen, den eigenen Wagen damit schneller zu machen.

Dass GC-Sportchef Alex Thoma dem zustimmt, kann angesichts der finanziellen Probleme der Zürcher noch nachvollzogen werden. Hat es Sie aber verwundert, dass auch Claudius Schaefer, CEO der Super League, dies zumindest in den Grundzügen unterstützt?

Claudius Schaefer hat dem keineswegs zugestimmt. Vielmehr hat er gesagt, man müsse sich international Gedanken machen über die Verteilung und das Verhältnis der Champions-League-Gelder und Europa-League-Gelder. Ich bin bekanntlich Mitglied der Wettbewerbskommission der UEFA und genau dort ist dies meiner Meinung nach auch zurecht ein Thema und auch absolut nicht unbegründet. Es ist tatsächlich so, dass die Champions League unglaublich attraktiv ist und sehr viel Geld fliesst und die Differenz zur Europa League enorm ist. Dass man über dieses Verhältnis nachdenkt, ist absolut richtig.

Würden Sie unterstützen, dass die Europa League zu Gunsten der Champions League geopfert wird?

Das war einmal ein Thema, aber ich finde es gut, dass es diese beiden Wettbewerbe gibt und bin dafür, dass sowohl die Champions League als auch die Europa League bestehen bleiben. Man versucht nun, die Europa League ein wenig zu stärken, in dem der Sieger der Europa League das nächste Jahr direkt für die Champions League qualifiziert ist. Für den Schweizer Fussball hat dies natürlich nicht nur positive Aspekte, weil damit die Chancen für eine Direktqualifikation eher noch kleiner werden für die Verbände unserer Stärkeklasse.

Was halten Sie vom Vorwurf, dass der FC Basel den anderen Vereinen der Super League die besten Spieler weg kauft?

Der Vorwurf ist insofern falsch, als man einen Spieler nicht „kauft“. Ein Spieler wechselt den Arbeitgeber. Es ist immer der Spieler, der entscheidet, wo er arbeiten möchte. Die Clubs verhandeln lediglich untereinander was für eine Ablöse bezahlt wird.

National hat dies zur Folge, dass wir meist mit überhöhten Ablöseforderungen konfrontiert werden, weil andere Clubs einen Wechsel ihrer Spieler ins Ausland gegenüber einem Transfer zum FCB vorziehen. Die jüngsten Beispiele der Wechsel von Luca Zuffi und Skelshen Gashi zeigen aber, dass der Schritt zum FCB sehr wohl Sinn machen kann.

Wer denken Sie, wird den FCB in den nächsten Jahren vor allem bedrängen können?

In den letzten fünf Jahren waren es immer wieder verschiedene Clubs, welche uns bedrängt haben. Ich gehe davon aus, dass der FC Zürich, YB und auch GC sicher immer wieder gefährlich werden können. Auch dem FC St. Gallen, dem FC Thun und dem FC Sion traue ich dies zu, waren doch alle je einmal auch scharfe Konkurrenten und konnten erst gegen Ende der jeweiligen Meisterschaften distanziert werden oder wurden – im Fall des FC Sion – ‘nur’ durch einen Punkteabzug als Verfolger nicht mehr gefährlich. Von dem her haben wir eigentlich immer wechselnde Konkurrenten gehabt, was das Ganze auch interessant macht.

Wäre es für die Liga und eventuell auch für den FCB gut, wenn auch mal wieder ein anderer Verein Schweizer Meister wird?

Ob’s für “die Liga” gut wäre, müssen die Leute von der Liga beurteilen. Für einen unabhängigen Beobachter ist es sicher so, dass es spannender ist, wenn immer wieder andere Vereine Schweizer Meister werden. Wenn ich als unabhängiger Beobachter eine Sportart verfolge, ist es so, dass ich immer eher dem Underdog helfe, deshalb kann es gut sein, dass es für Aussenstehende interessant wäre.

Aber es ist auch klar, dass es uns als FC Basel nicht beschäftigen darf. Uns muss beschäftigen, wie wir den FC Basel möglichst stark machen und wenn wir dann Ende der Saison Schweizer Meister sind, sind wir natürlich froh, weil jeder Erfolg hilft, den Club weiterzuentwickeln.

Braucht der FC Basel national stärkere Konkurrenz, um sich international an der Spitze halten zu können?

Der FC Basel steht aktuell international dermassen über allen logischen Erklärungen, dass sich diese Frage erübrigt. Wenn man bedenkt, dass wir nun in der Champions League erneut im Kreis der letzten 16 sind, wo es keine Mannschaften mehr hat aus den Benelux-Staaten, aus Skandinavien, aus Russland, nur einen einzigen Club aus ganz Osteuropa, dann ist dies mehr als nur erstaunlich.

Daher weiss ich nicht, was wir national aktuell ändern müssten, um den FCB zu stärken. Im Gegenteil, wir müssen uns Gedanken machen und uns immer wieder bewusst sein, wie ausserordentlich das aktuelle Ranking ist und wie gefährlich es sein kann, wenn man sich in solchen Dimensionen bewegt, v.a. wenn man sich von der externen Erwartungshaltung zu sehr leiten oder sogar verleiten lässt.

Während es 2001/2002 noch reichte, den Meistertitel zu holen, wird heute auch noch ein attraktives Spiel verlangt. Wird der FCB da zum Opfer seines Erfolgs und wie kann der FCB diesen gesteigerten Erwartungen gerecht werden, resp. kann er das überhaupt?

Ich würde nicht sagen, dass wir Opfer sind, es ist einfach die Konsequenz. Völlig emotionslos würde ich sagen, dass dies völlig normal ist. Wenn ein Verein eine so erfolgreiche Zeit hinter sich hat, ändert sich natürlich die Erwartungshaltung.

In diesem Sinne muss auch die objektiv schwer verständliche Aufregung nach einer deutlichen Auswärtsniederlage gegen die Weltmannschaft von Real Madrid “positiv” gesehen werden, nämlich als Folge der  großartigen Erfolge in der aktuellen Phase des FCB. Wir haben den Zusammenhalt im Club und die Erfahrung, dass wir uns in solchen Situationen nicht leicht anstecken lassen.

Als 2003 der FC St. Pauli kurz vor der Insolvenz stand, half ihm der FC Bayern München mit einem sogenannten „Retterspiel“. In der Schweiz ist es der FC Thun, der offensichtlich finanziell arg in Nöten ist. Könnten Sie sich eine finanzielle Unterstützung in welcher Form auch immer vorstellen oder halten Sie nichts von solchen Aktionen?

Das Problem beim FC Thun ist noch einmal ein anderes, da der FC Thun einer von zehn Super League Vereinen ist. Wenn sich der FC Basel in irgendeiner Form für den FC Thun engagieren würde, hiesse es sofort, dass man den Wettbewerb beeinflussen würde, weil Thun uns damit in irgendeiner Form dankbar sein müsste.

Deshalb ist eine Unterstützung ausgeschlossen. In erster Linie ist es die Verantwortung des FC Thun und dann auch die Verantwortung aller im Schweizer Spitzenfussball involvierten Parteien, dass Clubs wie Thun sich in der Super League halten und etablieren können.

Was hat sich Ihrer Meinung nach in den letzten 10 Jahren verändert im Fussballbusiness?

Das Wort Business wurde noch bedeutender, vor allem im internationalen Umfeld. Die Schere ging noch weiter auf, die Spitze wurde noch finanzstärker, noch mächtiger und damit auch die Lücke zwischen den verschiedenen Ligen.

Herr Heusler, herzlichen Dank für die Zeit, die Sie sich für dieses Interview genommen haben.

Das Interview führten Claudia Cadalbert, Andreas Aeschlimann und Urs Dünner

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