Grosses Interview mit Bernhard Heusler Teil 2

8. Januar 2015 | Von | Kategorie: Inside, Interviews, News, Top News

bernhard_heuslerUnd hier der zweite Teil unseres grossen Interviews mit Bernhard Heusler.

Wir haben die Themengebiete “Das Amt des Präsidenten” und “Umgang mit Kritik” zusammengefasst, sodass es insgesamt drei Teile werden.

Das Amt des Präsidenten

Beschreiben Sie bitte Ihr Aufgabengebiet als Präsident des FC Basel.

Meine Aufgabe ist es, die oberste Führungsverantwortung für den Club zu übernehmen. Es würde zu weit führen, das Aufgabengebiet zu beschreiben. Offensichtlich ist, dass jeder Präsident seine Aufgaben unterschiedlich interpretiert.

 

Was macht Ihnen an Ihrem Job als Präsident des FC Basel am meisten Spass?

Der grösste Spass ist gleichzeitig auch die grösste Plage; das ist nämlich der Fussball selbst. Die Ohnmacht als Zuschauer mit Verantwortung, das Unvorhersehbare des Spiels, aber auch das immer wieder Neue, die hohen Emotionen, welche der Fussball auslöst. Das ist es, was mich am meisten fasziniert aber auch gleichzeitig in meiner Funktion sehr belastend sein kann.

Welche Aufgaben würden Sie manchmal lieber meiden?

Die übertriebene Hysterie, die den Fussball umgibt, kann mich zunehmend ermüden. Da würde ich gerne mal auch ausweichen und delegieren: „Regen Sie sich bitte woanders auf, stellen Sie Ihre Fragen an jemand anderes; es sollen sich andere darum kümmern“. Dabei weiss ich bestens, dass der professionelle Umgang mit dem hysterischen Auf und Ab zu meiner Kernaufgabe gehört.

Welche Entscheidungen würden Sie gerne rückgängig machen?

(überlegt lange). Das ist schwierig zu sagen. Auch wenn man weiss, dass gewisse Entscheidungen sich als nicht richtig erwiesen haben, ist es trotzdem nicht richtig, im Nachhinein zu sagen, ich möchte dies oder jenes rückgängig machen.

Vielleicht hat ein Entscheid, welcher sich nachher als unrichtig erwiesen hat, dem Club oder einem selbst weitergeholfen, weil man aus dieser Situation lernen konnte. Wesentlich ist, dass die wichtigen Weichen nicht falsch gestellt werden; ist man mal auf dem falschen Weg, dann wird’s schwierig. Ansonsten darf und soll man weiter nach Vorne schauen. Ich mache mir generell nicht zu viel Gedanken, was ich gerne rückgängig machen würde, weder beim FC Basel noch sonst.

Leider gab und gibt es im Fussball auch immer wieder unschöne Szenen, zum Beispiel die Ausschreitungen in Salzburg worauf ein Geisterspiel als Strafe folgte oder jene Ausschreitungen in Aarau in der vergangenen Saison, als sich der FC Basel den 5. Meistertitel in Serie holte. Wollten Sie nach solchen Situationen Ihr Amt auch schon einmal an den Nagel hängen?

Es sind nicht solche Ereignisse an sich, die bei mir Rücktrittsgedanken auslösen; ihre sachliche Aufarbeitung im Interesse des Clubs ist Teil meines Jobs. Emotional belastend ist die frustrierende Erkenntnis, dass es auch im Umfeld des FCB Menschen gibt, die geradezu auf solche Vorfälle warten, um in angeblicher Sorge um den Fussball oder den Club aus der Hüfte auf jeden zu schießen, den man als ‘schuldig’ bezeichnen kann. Wissend oder nicht schaden sie damit der Sache des FCB.

Das Besondere dieses Clubs besteht nämlich darin, dass wir nicht nur eine Schicht als “richtige Anhängerschaft” definieren, dass bei uns nicht ‘Gut’ gegen ‘Böse’, nicht Kommerz gegen Fans ausgespielt und somit keine Monokultur gelebt wird. Wer das Führen von Dialog und die offene Auseinandersetzung als Schmusekurs missversteht, hat wenig verstanden von der liberalen Kultur Basels, welche diese Stadt und Region aber auch unseren Club für mich so besonders macht.

Auf den Punkt gebracht: Ereignisse dieser Art haben mich gelehrt, dass Jahreskarten,  Mitgliederausweise oder FCB-Tattoos nicht zwingend Rückschluss auf ein rot-blaues Herz des Inhabers zulassen. Aber deswegen zurücktreten? Nein. In solchen Situationen wird ein Präsident mehr gebraucht als an der Meisterfeier. Aber natürlich soll auch der Gedanke eines Rücktritts mein Tun begleiten. Der FCB gab es lange Zeit vor mir und der Club wird auch nach meinem Präsidium weiterleben. Und das gilt auch für mein eigenes Leben. Identifikation mit der Aufgabe ist gut; zu viel ist ungesund. Um für die Zeit danach bereit zu sein, kann es nicht schaden, wenn man sich damit geistig auseinandersetzt.

Wann konnten Sie zum letzten Mal ein Spiel des FC Basel von der ersten bis zur letzten Minute geniessen?

Das war vermutlich das Heimspiel in den Champions League Play-Offs gegen Ludogorez Rasgrad im Herbst 2013. Wir hatten auswärts 4:2 gewonnen und sind im “Joggeli” früh in Führung gegangen. Die restlichen rund achzig Minuten waren Genuss pur, sehr cool; wenn man ehrlich ist, so cool, wie man es sich von einem Fussball-Match nicht alle Tage wünscht.

Wie schwer fällt es Ihnen einen Vertrag nicht zu verlängern?

Das fällt schwer, wenn damit auch eine Trennung von einem Menschen verbunden ist, welcher uns allen ans Herz gewachsen ist. Ich bin grundsätzlich jemand, der es sich nicht einfach macht mit Verabschiedungen. Das ist durchaus etwas, das mich immer beschäftigt und auch belasten kann.

Umgang mit Kritik

Unter ihrer operativen Leitung hatte der FC Basel fünf verschiedene Cheftrainer. Bei den Trennungen von Christian Gross, Heiko Vogel und Murat Yakin standen auch Sie teilweise heftig in der Kritik. Wie gehen Sie mit solchen Situationen um?

Diese Fälle lassen sich nicht miteinander vergleichen. Grundsätzlich ist Kritik an einem Entscheid auch ein Zeichen, dass man vielleicht rechtzeitig entschieden hat, sodass eben nicht alle Leute einem diesen Entscheid vorweg nehmen. Wenn man Entscheidungen trifft, ist dies meist in Momenten, in denen man sich noch unsicher ist, vor allem bei einem Trainerwechsel.

Die meiste Kritik entstand, weil wir über die Medien zu wenig erklärt haben, weshalb man sich für diesen Schritt entschieden hat. Aber gerade weil es sich dabei um Personalentscheide handelt, ist es für mich bis zu einem gewissen Grad notwendig und richtig, dass nicht alles genau erklärt wird. Am Schluss geht es darum, die Person, von welcher man sich trennt, zu schützen.

Die Personalie Geoffrey Serey Die ist nach wie vor ungeklärt und sorgt bei vielen Fans für Unverständnis, gehört er doch zu den Publikumslieblingen des FC Basel. Was können Sie zu den aktuellen Umständen sagen?

Ich kann nicht viel mehr sagen, als was man gehört hat. Es ist jedoch ein Thema, welches wir diesen Winter angehen werden und wir wie immer versuchen eine Lösung zu finden, welche am Schluss allen gerecht wird. Mehr kann im jetzigen Moment nicht gesagt werden.

Wer ist eigentlich in der Technikkommission, welche solche Transfers abwickelt und wie kann man sich einen solchen vorstellen?

Es kommt natürlich ganz darauf an, ob es sich um einen Abgang oder einen Zugang handelt. In beiden Fällen sprechen wir in der Technikkommission über die betroffene Position und überlegen uns, welchen Spieler wir verpflichten möchten oder welcher Spieler den Verein verlassen könnte.

Dann beraten wir uns, wie man mit einer solchen Situation umgehen soll, wer welche Schritte macht. Bei einem Zugang erstellen wir eine Art Shortlist, bei welcher bestimmt wird, welche Spieler interessant sind. In dem meisten Fällen werden uns diese Spieler über das weltweite Beraternetz zugespielt, welches uns täglich mehr als 30 Spieler vorschlägt. Dann müssen wir natürlich filtern. Entscheiden, wo es sich weiterzumachen lohnt, welche Spieler weiter „verfolgt“ werden sollen. Dann wird bestimmt, welcher Scout den Spieler beobachtet und wie oft, dann werden die Scoutreports besprochen und diskutiert ob man einen weiteren vorentscheidenden Schritt macht. Dieser wäre ein Treffen mit dem Berater des Spielers und dem Club um darüber zu diskutieren ob es überhaupt denkbar ist, dass der Spieler beim FC Basel spielen möchte und ob es wirtschaftlich machbar ist. Und erst wenn dann die Ampeln immer noch auf „grün“ stehen, beginnen die Verhandlungen.

Gilt in der Technischen Kommission der Mehrheitsentscheid und was geschieht bei Gleichstand?

Ich habe noch nie erlebt, dass wie bei einer politischen Diskussion Meinungen unversöhnlich gegenüber standen und es dann einen Stichentscheid benötigte. Ich denke, sobald sich zwei oder drei Leute gegen eine Verpflichtung aussprechen, es nicht sinnvoll ist, das Projekt weiterzuverfolgen.

Eine wichtige Person, wenn es darum geht einen Spieler zu verpflichten, ist der Trainer. Er muss mit dem Spieler arbeiten und ihn führen, deshalb macht es auch keinen Sinn, einen Spieler gegen das klare Veto eines Trainers zu verpflichten.

Auf der anderen Seite ist es falsch zu sagen, dass etwa Bobadilla ein Yakin-Transfer war, denn wir haben alle gemeinsam entschieden diesen Spieler zu verpflichten. Wäre aber Yakin dezidiert dagegen gewesen, hätten wir auf eine Verpflichtung verzichtet.

Paulo Sousa stand des Öfteren in der Kritik, weil er sehr viele Rotationen vornahm und dadurch nicht alle Spiele optimal verliefen. Nun ist der FC Basel mit acht Punkten Vorsprung auf den FC Zürich Wintermeister, nach wie vor im Cup dabei und steht, alle Achtung, in den Achtelfinals der Champions League. Besser hätte es nicht laufen können. Was sagen Sie zu den Leuten, welche Sousa von Beginn weg kritisiert haben?

Nicht viel. Die Besserwisserei “danach” ist immer einfach. Wir können nicht so funktionieren, weil wir nicht unnötig Energie verschwenden wollen. Unsere Aufgabe besteht darin, vorwärts zu schauen im Interesse des Clubs, nicht Recht zu haben oder sich persönlich gut zu positionieren. Ein frommer Wunsch ist, dass man nicht immer sofort hysterisch wird, einer Mannschaft und einem Trainer auch mal ein wenig Zeit geben sollte. Das kann auch mal während eines Spiel gelten. Aber auch hier gilt: die Geduld wird kleiner mit jedem Erfolg. Auch das hat man sich beim FCB erarbeitet.

Es ist festzustellen, dass die Akzeptanz von Paulo Sousa noch nicht sehr gross ist. Kann sich ein Club wie der FC Basel leisten, sich von den Fans abzuschotten, beispielsweise mit den geschlossenen Trainings.

Nein, das kann er sich nicht, deshalb tut er es auch nicht. Die Nähe und Offenheit des Clubs hat nichts mit geschlossenen oder offenen Trainingseinheiten zu tun, auch wenn dies wohl ganz gezielt so vermischt worden ist. Mit Paulo Sousa haben wir einen Trainer, der mit gewisser Zurückhaltung und kontrolliert mit den Medien umgeht und es als wichtig erachtet, auf dem Trainingsplatz konzentriert mit der Mannschaft arbeiten zu können. Er will auch eine gewisse Organisation der Medienkontakte seiner Teammitglieder. In diesem Bereich darf und soll der Trainer entscheiden. Schliesslich ist er ja auch verantwortlich für die Leistung des Teams.

Das heisst noch lange nicht, dass die Medienpolitik vom Club damit geändert wird und noch viel weniger, dass sich der Club von seinen Fans abschottet. Ich kann aus Medien- und Konsumentensicht verstehen, dass spontane Statements gewünscht sind, welche auch mal zu grossen Schlagezeilen führen. Das Problem ist nur, dass heutzutage Spieler, die auch mal unbedacht etwas äussern, öffentlich missbraucht und geradezu blossgestellt werden. Da dadurch ihnen und dem Club geschadet wird, gehört es zu unserer Aufgabe, solche Dinge möglichst zu verhindern.

Dies ist eine Gratwanderung, die viele Clubs gehen, welche medial begleitet werden. Mir liegt es jedoch am Herzen, dass dabei nicht der Eindruck entsteht, dass sich der FC Basel von seiner Anhängerschaft entfernt.

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