Grosses Interview mit Bernhard Heusler

7. Januar 2015 | Von | Kategorie: Inside, Interviews, News, Top News

bernhard_heuslerWährend der Feiertage durfte rotblau ein grosses Interview mit Bernhard Heusler führen. Rund eine Stunde konnten wir dem Präsidenten des FC Basel unsere Fragen stellen.

Das Team von rotblau freut sich natürlich sehr über die Tatsache, dass er sich für dieses Interview zur Verfügung stellte, zeigt es doch die Wertschätzung, welche er unserem Medium, aber auch unseren zahlreichen Lesern entgegenbringt.

Wer schon ein Interview mit Bernhard Heusler gelesen hat, oder das Privileg hatte, selber eines mit ihm zu führen, weiss wie genau er einerseits seine Antworten abwägt, aber auch auch, dass die Antworten immer kompetent und interessant sind.

Das Interview führten Claudia Cadalbert, Andreas Aeschlimann und Urs Dünner.

 

Auf Grund des Umfangs des Interviews haben wir uns entschlossen, es in vier Teilen zu publizieren.

  1.  “Der Weg zum Präsidenten des FC Basel” und “Bernhard Heusler und die Fans”
  2. “Das Amt des Präsidenten”
  3. “Umgang mit Kritik”
  4. “Das Erfolgskonstrukt FC Basel”

Der Weg zum Präsidenten des FC Basel

Sie träumten einst davon Lokomotivführer zu werden. Heute sind Sie Präsident des erfolgreichsten Fussballvereins der Schweiz, dem FC Basel. Wie kam es zu diesem doch eher krassen Wechsel des Berufs?

Meine heutige Aufgabe als Präsident des FC Basel 1893 schloss nicht direkt an meinen ersten Traumberuf Lokomotivführer an. Ich bin gelernter Anwalt und nach wie vor als Konsulent in einer Wirtschaftsanwaltskanzlei taetig. Mein Grossvater arbeitete bei den SBB. Er weckte in mir die Liebe zur Eisenbahn. Man kann also nicht sagen, mein Weg führte mich vom typischen Bubentraum zum Präsident des FC Basel.

Seit 2009 stehen Sie in der obersten Verantwortung für das operative Geschäft des FC Basel. Angefangen hat es aber bereits viel früher, nämlich im Jahr 2003 als Sie darum gebeten wurden, den FC Basel im Transferwirrwarr zwischen Hakan Yakin und Paris  St. Germain rechtlich zu beraten. Etwa ein Jahr später wurden Sie Vorstandsmitglied des FC Basel. Ging mit der Wahl zum Präsidenten im Januar 2012 ein Traum in Erfüllung, schliesslich verfolgen Sie den FC Basel seit Kindheitstagen?

Als Kind träumt man davon, für den FC Basel spielen zu dürfen, nicht den Club zu führen. Heute empfinde ich mein Amt nicht nur als grosse Aufgabe, sondern auch als Privileg. Ich engagiere mich für den Verein, mit dem ich mich, seit ich denken kann, verbunden fühle, und welcher mir auch heute noch emotional sehr am Herzen liegt, was nicht von meinem Amt abhängt.

Sie sind gelernter Wirtschaftsanwalt, was gab den Ausschlag, das Präsidentschaftsamt beim FC Basel anzunehmen?

Der Glaube und das in den Jahren gewachsene Vertrauen, dass ich es zusammen mit den richtigen Leuten schaffe, die grosse Herausforderung als FCB-Präsident zu bewältigen. Das Risiko, das ich mit diesem Entscheid auf mich genommen habe, ist mir in seiner Dimension erst später bewusst geworden.

Nebst Ihrem Amt als Präsidenten arbeiten Sie als Konsulent bei der Anwaltskanzlei Walder Wyss. Wie funktioniert das?

Es ist bekannt, dass ich neben dem FCB in Verwaltungsräten tätig bin. Dies lässt sich so koordinieren.

Bernhard Heusler und die Fans

Sie sind bei den Fans des FC Basel sehr beliebt, ernten bei Ansprachen warmen Applaus. Was denken Sie, macht es aus, dass Sie bei den Fans so gut ankommen?

Beim Applaus hört man jene nicht, die nicht klatschen, daher darf man solche Sachen nicht zu sehr überbewerten. Mein größtes Anliegen ist, dass die Anhängerschaft des FC Basel mich als Präsidenten empfindet, der glaubwürdig und im Interesse des Clubs führt.

Wie eng stehen Sie mit den Fans in Kontakt?

So eng wie ich finde, dass es sein soll und muss zwischen einem Clubverantwortlichen und den Fans. Ich empfinde es als wichtig, dass man mit mir direkt kommunizieren kann, dass man mich auch ausserhalb des Stadions in Basel sieht. Ich sehe keinen Grund, mich zu verstecken.

Warum wurde das FCB-Fanmagazin „Rotblau Total“ eingestellt?

Die beliebte Sendung soll weiterleben und die Inhalte weiterhin produziert werden, aber in erster Linie über unsere Website. Daher ändert sich für die Interessierten nicht viel.

In Zusammenarbeit mit René Häfliger wird es diese Sendung, in welche Form auch immer, auf unserer Homepage geben.

Was wissen/denken Sie über interaktive Fanprojekte wie die „RotblauApp/Blog, „FCB Live Radio“, „FCB Forum“?

Im Detail bin ich nicht wahnsinnig gut informiert, weil ich zu sehr in einer anderen Rolle bin, als die Konsumenten. Aber ich kenne sehr viele Leute, welche sich über diese Angebote über den FC Basel informieren und austauschen und gerade in der heutigen Welt ist es wichtig, dass der FC Basel auch in diesen Bereichen präsent ist.

Für mich ersetzt es jedoch nie den echten FC Basel und es ersetzt auch nicht den persönlichen Austausch zwischen Menschen. Das ist für mich von einer ganz anderen Qualität als der Austausch im Internet, wo jeder anonym seine Meinung sagen kann. Es kann für mich keinen persönlichen Austausch mit Fans ersetzen.

Ich persönlich nutze weder Facebook noch Twitter, weil ich einfach lieber persönlich interagiere als virtuell.

Wie sehr kann/darf man als Präsident noch Fan sein?

Man kann als Präsident nicht Fan sein, weil all das, was das Fan-Sein ausmacht, in meiner Rolle nicht ausgelebt werden kann. Man darf und soll sich jedoch mit dem Club identifizieren und darf diesen Verein auch lieben, aber Fan sein kann man nicht. Es ist einfach eine andere Rolle, die man als Präsident einnimmt.

Schreibe einen Kommentar