Krise in Basel

20. September 2017 | Von | Kategorie: Analysen, News, Top News

Stimmt – wer sich die aktuelle Tabelle vor dem heutigen Auswärtsspiel gegen den FC St. Gallen anschaut, wird nicht unbedingt begeistert sein. Nur Rang 3 in der Tabelle, drei Punkte hinter YB und zwei Punkte hinter dem Erzfeind aus Zürich, das deckt sich definitiv nicht mit den Ansprüchen, die der FCB-Fan normalerweise gewohnt  ist.

Dabei gibt es durchaus Gründe, dass Rotblau noch nicht auf dem Tabellenplatz steht, auf dem zu stehen, er gewohnt ist – nämlich dem Ersten.

So  steht ein neuer Mann an der Seitenlinie, der eigene Ideen einbringt, welche halt auch bei einem Klasse-Team wie es der FCB allen Unkenrufen zum Trotz immer noch darstellt, halt nicht sofort greifen. Ob es sinnvoll war, den Vertrag des erfolgreichen Trainer der letzten beiden Saisons nicht zu verlängern, soll hier gar nicht vertieft werden – es ist ein Fakt.

Auch das Team selber wurde einerseits wegen des Anspruchs der neuen Führung, junge Spieler aus dem eigenen Nachwuchs zu fördern, aber eben auch wegen der neuen Spielanlage angepasst. Sicher am schmerzlichsten werden hier Marc Janko und Seydou Doumbia, resp. deren Tore vermisst. Auf der anderen Seite sollte auch nicht vergessen werden, dass Ricky van Wolfswinkel bisher in jedem Meisterschaftsspiel einen Treffer erzielt hat.

Ich mag mich durchaus an Postings im FCB-Forum oder auch den gängigen Sozialen Medien erinnern, wo der eher konventionelle Stil von Urs Fischer kritisiert wurde, wobei auch die Forderung endlich mehr junge Spieler einzusetzen immer lauter wurde. Auch der Verlauf der Meisterschaft war ein Punkt der Kritik, letztlich ist es halt trotz allem emotionaler erst im zweitletzten oder gar letzten Spiel Meister zu werden.

Neue Führung, neuer Trainer, neue Spieler – wenn man sich diese Ausgangslage vor Augen hält, kommt sicher dem Einen oder Anderen Die Saison 2009/2010 in den Sinn, das waren die Vorausseetzungen durchaus vergleichbar. Bernhard Heusler hatte die operative Verantwortung übernommen, Thorsten Fink war neuer Trainer mit einer völlig neuen Spielanlage und auch die Mannschaft hatte die eine oder andere Änderung erfahren.

Und wie stand der FCB damals nach sieben Runden?

Es erscheint unglaublich, aber er war tatsächlich noch schlechter gestartet und YB besser, d.h. nach sieben Spielen betrug der Abstand auf YB schon sagenhafte zehn Punkte und ein Spiel später waren es gar 13 Punkte.

Eine Trainer-Entlassung zu dem Zeitpunkt hätten vermutlich die meisten Fans verstanden und eine Ablösung von Bernhard Heusler, der erst auf diese Saison hin die operative Leitung übernommen hatte, wäre durchaus vertretbar gewesen.

Der Trainer wurde nicht entlassen, der operative Leiter nicht abgelöst – was folgte war eine schlicht sensationelle Saison in der in der letzten Runde YB auswärts noch abgefangen wurde. Weitere sieben Meistertitel in Folge und magische Nächte gegen Bayern, Chelsea, Manchester etc. folgten.

Ich gebe zu, ich habe den grossen Vorteil, dass ich den FCB noch in der Nati B erleben „durfte“, was zu einer gewissen Demut führte. Wir konnten uns damals noch daran erfreuen, wenn der FCB zwar mal wieder verloren, man aber doch das Gefühl gehabt hatte, dass er alles gegeben hatte. Der Aufstieg und dann der Meistertitel 2001/2002 waren dann die Belohnung für die entbehrungsreichen Jahre in der zweiten Liga.

Hätte mir damals jemand prophezeit, dass wir einmal klagen würden, weil wir nach sieben Spielen drei Punkte hinter dem Ersten platziert wären, aber gleichzeitig in der Champions-League Gruppenspiele stehen würden – ich hätte ihn auf der Stelle für verrückt erklärt.

Heute geniesse ich den FCB auch wenn ich nicht mit jeder Entscheidung des Vorstand, des Trainers oder der Spieler einverstanden bin. Das muss ich auch gar nicht – denn „Ai Stadt, Ai Club, Ai Liebi – FC Basel 1893!“.

Heute Abend werden unsere Jungs den Grünweissen den Senf von der Bratwurst nehmen und am Samstag wird der „Z“ mit einer Packung nach Hause geschickt – so geht das ;-).

// udu

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