Andrea Roth – Die Öffentlichkeitsbeauftragte und Pressesprecherin (Teil 3/4)

14. November 2014 | Von | Kategorie: Fanzone, Medien, Nachgefragt, News, Top News

Im dritten Teil unseres Interviews mit Andrea Roth erfahren Sie einiges über den Aufgabenbereich der Mediensprecherin und Öffentlichkeitsbeauftragten.

SAMSUNG CSCWar es ein geplanter Schritt von Dir, irgendwann diese Funktion beim FC Basel zu besetzen?
Geplant war es nicht, zumal ich mir nie wirklich ein Ziel setze. Heute muss ich sagen, dass es mein Traumberuf ist.
Durch meine Arbeit bei Basel United und die enge Zusammenarbeit mit meinem Vorgänger Josef Zindel, durfte ich bereits früher einen Einblick in den Job erhalten und es hatte mir stets Freude bereitet, mit Josef zusammenzuarbeiten. Was er mir von seinem Beruf erzählte, klang immer interessant und sehr vielfältig.
Da es diesen Beruf nur einmal in der Schweiz gibt, es zuvor noch keine junge Frau gab, die einen solchen Posten besetzte und Josef voller Herzblut dabei war, hätte ich auch gar nicht davon zu träumen gewagt. Auch wusste ich nicht, wie der Verein zu einer jungen Frau in einer solchen Position stehen würde.
Heute bin ich dem ganzen Verein extrem dankbar, eine solche Chance bekommen zu haben.

Wie würdest Du das Anforderungsprofil für deinen Job beschreiben?
Auf jeden Fall braucht man eine dicke Haut, das war das Erste, was mir Josef Zindel mit auf den Weg gab. Weiter muss man offen sein für Neues und Freude daran haben stetig dazuzulernen. Ein ganz wichtiger Punkt ist, dass man mit Kritik umgehen und auch öffentliche Kritik einstecken kann.
Ansonsten gehört natürlich die Freude am Fussball wie auch die Freude mit Menschen zusammenzuarbeiten dazu.

Was gefällt dir an deinem Beruf am besten?
Wie erwähnt mit Menschen zusammen zu arbeiten und vor allem die jungen Spieler bei der Medienarbeit zu unterstützen und zu schulen macht mir extrem viel Spass. Ich liebe den Umgang mit Menschen und habe Freude daran, wenn ich ihnen etwas mit auf den Weg geben kann.

Was für Tipps werden den Spielern im Umgang mit den Medien mit auf den Weg gegeben?
Vor allem bei den jungen Spielern betonen wir, dass sie in ihren Antworten nicht überheblich sein sollen, wobei ich dies bei keinem befürchte. Ich habe das Gefühl, dass alle bescheiden genug sind.
Wenn zum Beispiel ein Foulspiel begangen wurde, das einen Penalty und/oder eine rote Karte zur Folge hatte, sagen wir ihnen, dass sie auch vor der Kamera immer die Wahrheit sagen sollen. Es ist wichtig immer zu seinen Fehlern zu stehen.

Wie eng ist dein Kontakt zu den Spielern des FC Basel?
Einmal in der Woche haben wir „Medientag“. Dann setze ich mich gemeinsam mit den Spielern hin und wir besprechen sämtliche Medienanfragen, welche in der vergangenen Woche gesammelt wurden. Interviews bespreche ich jeweils mit den einzelnen Spielern davor und danach.
Ansonsten habe ich Kontakt zu den Spielern, wenn wir Schulungen im Umgang mit den Medien haben, aber auch an den Spieltagen oder wenn allgemeine Fragen aufkommen.

Josef Zindel ist nach wie vor oft präsent. Stört dich das manchmal, fühlst du dich bevormundet?
Überhaupt nicht, im Gegenteil. Ich finde es schön, wenn ein Mensch noch immer so viel Herzblut gibt, obwohl er „teilpensioniert“ ist. Und er hat ja als FCB-Redaktor und FCB-Historiker nach wie vor seine Aufgaben beim FC Basel.
Josef Zindel ist ebenfalls mein offizieller Stellvertreter.

Was sind Deine Hauptaufgabengebiete?
Die Öffentlichkeitsarbeit, allgemeine Anfragen über den Club, z.B. für Maturaarbeiten, aber auch Anregungen, Reklamationen sowie Anfragen für soziale Projekte, von denen wir sehr viele erhalten.
Weiter die externe Kommunikation zum Beispiel bei einem Transfer, die ganze Medienkoordination wie Pressearbeit und Interviews und das Leiten der Pressekonferenzen.

Kannst du einen typischen Arbeitsalltag von Dir beschreiben?
Das ist schwierig. Natürlich gibt es gewisse Elemente die immer wieder vorkommen. Neu bei Paulo Sousa ist, dass ich mit ihm am Morgen die Zeitungsartikel bespreche und übersetze. Ihn interessiert sehr, was über den FCB geschrieben wird. 
Weiter gehört das Sammeln von Interviewanfragen zur täglichen Arbeit, wie auch das Beantworten von allgemeinen Anliegen und Fragen.
Aber einen typischen Ablauf gibt es eigentlich nicht.

Wie verändert sich dein Arbeitsalltag wenn der FC Basel international unterwegs ist?
Bei Auslandsreisen ist einiges anders. Grob gesagt geht es vom Flughafen ins Hotel, dann weiter ins Stadion, wieder ins Hotel und zurück nach Basel. Dazwischen wird gearbeitet.
Meist kommen wir kurz vor dem Mittag an und essen gemeinsam. Am Nachmittag bin ich im Hotelzimmer und bearbeite die Mails welche ich in der Zwischenzeit erhalten habe , danach begleite ich das Team ins Training und dann direkt an die Pressekonferenz. Freizeit habe ich in dieser Zeit kaum und habe keine Zeit die jeweilige Stadt zu besichtigen. Am nächsten Tag ist Spieltag. Ich begleite die Mannschaft nach dem Frühstück meist zum Abschlusstraining und am Abend natürlich zum Spiel, um die ganze Medienarbeit zu koordinieren. Und am nächsten Morgen geht mit dem Flugzeug wieder zurück. Die Reisen zu den internationalen Spielen sind immer sehr spannend und vielseitig.

Musst du teilweise rund um die Uhr erreichbar sein?
Ich darf mein Handy in der Nacht sicher ausschalten, mache das aber praktisch nie, das habe ich aber schon früher nie gemacht. Es kommt sehr selten vor, dass ich spät abends Anfragen erhalte und wenn, dann eher per E-Mail.

Was denkst du, wie du als Pressesprecherin ankommst?
Ich hoffe, dass ich als kompetente, freundliche und anständige Person wahrgenommen werde, die ihren Job professionell macht.
Wie es effektiv ist, kann ich nichtsagen, das müssten Aussenstehende beantworten.

Hast du auch schon negative Kommentare über dich gehört?
Es gab im Vorfeld schon die eine oder andere Person, die sich fragte, ob ich dieser Aufgabe gewachsen bin, aber das gehört dazu. Deshalb ist es wichtig, dass man eine dicke Haut hat und solche Kommentare nicht zu nahe an sich heranlässt.
Was ich jedoch schon mehrfach hörte ist, dass ich beispielsweise bei Pressekonferenzen sehr ernst und fast ein wenig arrogant wirke.
Ich bin generell ein fröhlicher Mensch und lache gerne, jedoch ist es bei Pressekonferenzen nicht angebracht mit einem breiten Grinsen auf den Podest zu sitzen. Da ich in solchen Situationen immer sehr konzentriert bin, wirke ich anscheinend entsprechend.

Eine Leserin hat eine sehr spannende Bemerkung gemacht. Sie findet, du seist immer sehr dezent gekleidet. Kann es sein, dass du Angst vor Farben hast?
Angst vor Farben habe ich überhaupt nicht, meine Lieblingsfarben sind moosgrün und aubergine. In meinem Schrank befinden sich viele Kleider in solchen Farben.
Aber an den Pressekonferenzen, an Spieltagen oder offiziellen Anlässen trage ich den Clubanzug sprich dunkelblauer Anzug und weisse Bluse oder T-Shirt.

Frauen in der Fussballbranche, einem Arbeitsgebiet, welches von Männern dominiert wird. Musstest du je um deine Anerkennung kämpfen?
Beim FC Basel überhaupt nicht. Gigi Oeri war zwar in einer völlig anderen Funktion beim Verein tätig, aber es gab neben ihr auch vorher bereits Frauen, welche für diesen Club arbeiteten. Auch heute gibt es noch einige andere Frauen die für den FC Basel in verantwortungsvollen Positionen arbeiten, von dem her ist es für den Club nichts Neues. Beispielsweise Barbara Bigler, Direktorin Spielbetrieb & Secretary of the board, die gute Seele des FC Basel 1893.
Auch gegen aussen hatte ich nie das Gefühl nicht respektiert zu werden. Bei diversen Medienhäusern, der Swiss Football League, anderen Vereinen oder auch der FIFA arbeiten überall Frauen. Ich bin selbst immer wieder erstaunt, wie viele junge Frauen in dieser Branche arbeiten. Ich bin längst keine Exotin mehr.

Hast Du manchmal das Gefühl, dass Du als junge Frau kritischer wahrgenommen wirst, als beispielsweise ein Josef Zindel?
Es gab wohl schon einige Personen, die sich gefragt haben, warum nun ausgerechnet eine junge Frau wie Andrea Roth Nachfolgerin wird, was ich auch durchaus verstehen kann.
Der Vorstand des FC Basel kannte mich und meine Arbeitsweise durch die frühere Zusammenarbeit, als ich noch bei Basel United angestellt war.
Bis jetzt habe ich aber diesbezüglich zum Glück noch keine negativen Erfahrungen gemacht.

Hattest du zu Beginn deiner Tätigkeit Bammel vor dieser grossen Aufgabe oder gar Angst?
Angst hatte ich nicht, aber sehr grossen Respekt. Josef Zindel hatte mich zu Beginn meiner Tätigkeit unterstützt und begleitet, was alles sicher einfacher machte. Ich wusste, dass ich jederzeit auf seine Unterstützung zählen konnte und dies auch jetzt noch immer tun kann.

Im letzten Teil unseres Interviews mit Andrea Roth, welcher am Samstag, 15. November 2014, auf rotblau.info erscheint, erhielten wir viele Antworten und interessante Details über die Medienpolitik beim FC Basel.

Das Interview führten Claudia Cadalbert, Andreas Aeschlimann und Urs Dünner. Die Fotos wurden von Urs Dünner gemacht.

 

 

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