Grosse Buchstaben statt Inhalt und Kompetenz?

2. Dezember 2013 | Von | Kategorie: Analysen, Medien, Top News

Guter Journalismus zeichnet sich in der Regel durch gut recherchierte Artikel und Themen aus. Davon ist meine Lieblingszeitung mit den grossen Buchstaben aus dem Osten der Schweiz relativ weit entfernt. Oder wie sonst ist der Artikel von Herrn Sandro Inguscio von der Sportredaktion ebendieser Zeitung zu erklären?

Auf http://www.blick.ch/sport/fussball/superleague/wann-wirft-muri-hin-id2556736.html fragt der Autor mit Bezug auf ein Interview, welches der Sportdirektor des FC Basel, Georg Heitz der „NZZ am Sonntag“ gab mit markigen Worten: Wann wirft Muri hin?

Auch ein Laie wird beim Studium des Artikels auf http://www.nzz.ch/nzzas/nzz-am-sonntag/ein-team-ist-dauerhaft-labil-1.18195555 (NZZ am Sonntag vom 1. Dezember 2013) kaum zum gleichen Schluss wie der Autor kommen.

Der Vollständigkeit halber hier zwei Beispiele, was Georg Heitz gemäss Interview tatsächlich gesagt hat und was im Blatt mit den grossen Buchstaben daraus „konstruiert“ wurde, um aufzuzeigen welch billiger Tricks man sich bedient.

Zitat aus NZZ am Sonntag

Wenn die Leistung gegen Chelsea eine der besten FCB-Leistungen gewesen ist, kann man folgern, dass Murat Yakin einer der besten FCB-Trainer ist.

Ja, wenn man den Erfolg betrachtet. Er ist 14 Monate bei uns. Man sollte aber nicht alles auf den Trainer reduzieren – wenn’s gut läuft nicht, und wenn’s schlecht läuft nicht. Der Trainer ist wichtig, aber nicht alles.

Zitat aus Boulevard-Blatt

Sportdirektor Georg Heitz sagt der «NZZ am Sonntag»: «Der Trainer ist wichtig, aber nicht alles.»

Kommentar rotblau.info

Geschicktes Kürzen der Sätze suggeriert eine Geringschätzung des Trainers durch Heitz. Wenn man die ganze Antwort liest, wird klar, dass er damit nur sagen will, dass der Trainer nicht ausschliesslich für Erfolge, aber genausowenig für Misserfolge verantwortlich ist.

Zitat aus NZZ am Sonntag

Und wie sieht das bezüglich Kommunikation aus?

Als wir Yakin 2012 verpflichteten, wussten wir sehr wohl, wen und was wir verpflichten. Deshalb kann jetzt niemand kommen und sagen, dies oder jenes überrasche. Überraschend ist einzig, dass Murat Yakin so viel Erfolg hat.

Zitat aus Boulevard-Blatt

Und zur Krönung: «Überraschend ist einzig, dass Murat Yakin so viel Erfolg hat.»

Und das mitten im Erfolg! Nach dem zweiten Sieg gegen Chelsea. Als wäre die Vereinsleitung überrascht, was ihr Mann, Murat Yakin, hinkriegt. Als hätten sie es ihm nicht zugetraut!

Kommentar rotblau.info

Ja ist doch interessant, wie ein Satz auf einmal eine ganz andere Bedeutung erhält, wenn man auch den vorangegangenen Satz hinzufügt. Ich denke, es sollte jedem klar sein, dass Heitz damit meint: wir haben mit dem Erfolg gerechnet, aber dass es gleich so gut läuft, konnten wir auch nicht wissen oder planen.

Fazit

Man fragt sich natürlich, was die Zeitung von solch gezielter Desinformation hat. Es liegt auf der Hand: man versucht einzelne Exponenten des Vereins zu Aussagen zu bewegen, welche für Unruhe sorgen und somit natürlich auch wieder Schlagzeilen liefern. Schlagzeilen bringen Leser und im besten Fall auch Käufer des mit sinkenden Verkaufszahlen kämpfenden Verlages.

Als sehr geschickt ist auch die Tatsache zu werten, dass nicht der Leiter Sport Felix Bingesser den Artikel geschrieben hat, sondern dies einem einfachen Redaktor überlassen hat. Sollte die Leserschaft den Artikel nicht goutieren, hat man bereits das Bauernopfer.

Unser Gratistipp: Lieber Blick bleib fussballerisch doch einfach in Zürich und berichte über die dortigen beiden Spitzenclubs. Die freuen sich doch sicher, wenn sie auch mal wieder im Focus der Berichterstattung der Medienprofis aus ihrer Heimatstadt stehen. Wir in Basel ticken anders und brauchen eure billigen Provokationen definitiv nicht.

Ein Kommentar auf "Grosse Buchstaben statt Inhalt und Kompetenz?"

  1. dr manne sagt:

    s wird immer schlimmer mit de medie us zyri (und do ghoert d baz mittlerwyyle au drzue)

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